6. Dezember

Verschwitzte Hände

Brief eines italienischen Mädchens an den Weihnachtsmann

Liebe Santa Lucia, ich verspreche dir, daß ich lieb und brav sein werde, aber jetzt bin ich schon groß und weiß, daß es dich nicht gibt; es war schön, wie du gekommen bist, weil du die Geschenke für mich versteckt hast, und ich habe einen Schreck gekriegt, habe gelacht, meine Hände waren verschwitzt, ich habe das Geräusch von knisterndem Papier und Schritte gehört. Liebe Heilige, ich erinnere mich noch an die heiligen Lucias von früher: nachts ging ich ins Bett, ich konnte nicht schlafen, hatte Angst, schwitzte und schwitzte, guckte mir die Heftchen an und erst nach ziemlich langem konnte ich einschlafen.

Ich bin ganz tief ins Bett reingerutscht, schwitzte und schwitzte, ein Duft von Bombons kitzelte mir in der Nase, Autos die zur Arbeit fuhren oder zurück kamen, Leute, die in die Geschäfte gingen, schnell liefen und der Weihnachtsduft der einen antreibt. Keiner vergaß die Gaben.

Ich dachte: wenn Santa Lucia mir die Spielsachen bringen würde, die ich mir gewünscht habe ... Aber du hast mir nie das gebracht, was ich mir gewünscht habe, immer andere Sachen, und ich mußte damit zufriedensein.

Liebe Santa Lucia, bring auch den armen Kindern was, die nichts haben wie die Neger. Wenn ich die Neger in der Stadt an den Ampeln stehen sehe, wie sie die Scheiben der Autos putzen, tun sie mir leid, weil die Leute oft unfreundlich sind und sagen, daß ihre Scheiben sauber sind. Könntest du den Negern viele schmutzige Scheiben bringen?

Guendalina - Rom