3. Dezember

Mullah Nasruddin und der Esel
Anonym

Eines Tages begab sich Mullah Nasruddin mit seinem Sohn auf eine Reise. Während sein Sohn auf dem Esel ritt, zog Nasruddin es vor, zu Fuß zu gehen. Auf dem Weg trafen sie zwei Reisende.
"Schau dir nur den kräftigen jungen Mann da auf dem Esel an! Typisch für die Jugend von heute -- kein Respekt vor dem Alter! Er reitet auf dem Esel, während sein armer Vater zu Fuß gehen muss!"
Als der Junge dies hörte, schämte er sich sehr und bestand darauf, dass sein Vater auf dem Esel ritt, während er zu Fuß ging. Also setzte sich Mullah Nasruddin auf den Esel und sein Sohn lief neben den beiden her. Bald stießen sie auf eine weitere Gruppe von Reisenden.
"Jetzt schaut euch das an! Der arme Junge muss laufen, während sich sein Vater vom Esel tragen lässt," empörten sie sich.
Dieses Mal stieg Mullah Nasruddin einfach zu seinem Sohn auf den Esel und sie ritten zu zweit weiter. Aber es ging nicht lange, da kamen ihnen erneut Leute entgegen und diese riefen:
"Der arme Esel! Gleich zwei Reiter muss er tragen!"
Mullah Nasruddin seufzte und sagte zu seinem Sohn:
"Es wird das beste sein, wenn wir beide laufen, dann kann sich keiner beschweren."
So setzten sie ihre Reise also zu Fuß fort. Wiederum begegneten ihnen Leute.
"Schaut euch nur diese Idioten an", lachten sie. "Beide gehen in der glühenden Hitze zu Fuß, wo doch wenigstens einer bequem auf dem Esel reiten könnte!"
Da raufte sich Mullah Nasruddin verzweifelt die Haare, hob den Esel auf seine Schultern und schnaubte:
"Na gut, dann machen wir es eben so, sonst hören die Leute wohl nie auf zu reden."