
Winter ist es geworden. Der Hauch am Fenster ist zu einem Märchenwald erstarrt. Auf schlanken Stämmen entfaltet sich ein Gewirr von Ästen und Zweigen. Zwischen dem Wurzelwerk öffnen sich Höhlen und Gänge. Darin liegen die Murmeltiere im Winterschlaf. Überall im Boden schlummern Keime. Oben aber durchs bereifte Gras saust der kalte Wind. Mit ihm jagen die Eisvögel. Alles wie im Traum.
„Wie das windet und saust und schneit!“ sagte der alte Zwerg, „Frau Holle schüttelt ihr Bett nicht übel! Sollte das am Ende der große Schneesturm sein, in dem das Schneewittchen herabkommt, die sieben Zwerge zu besuchen alle sieben Jahre?“
„Ja,“ sagte der andere, „das könnte wohl sein. Ich sah so etwas schimmrig Helles mit herunterschweben.“
„Oh, wenn ich doch einmal das Schneewittchen sehen könnte!“ sagte der Dritte. „Wie wärs, wenn wir die sieben Zwerge besuchen? Sie sind ja unsere Vettern. Dann würden wir auch das Schneewittchen sehen!“
„Ja,“ stimmten die beiden anderen ein, „sobald es aufhört zu schneien, wollen wir uns auf den Weg machen!“
Die drei Zwerge wanderten weiter und kamen in einen tiefverschneiten Wald. Da lagen auf Bäumen und Sträuchern lauter Ungeheuer: Drachen, Hunde, Elephanten und Gestalten, von denen man nicht wußte, sinds große Vögel oder Krokodile oder Frösche.
„Wir wollen hier ganz still vorübergehen“ sagte der älteste der drei Zwerge, „sie scheinen alle zu schlafen. Wir wollen sie nicht stören.“
„Sie sind vielleicht nur aus Schnee. Aber man kann nicht wissen, ob sie nicht am Ende lebendig werden, wenn man sie reizt.“
„Jedenfalls können sie herunterfallen, wenn wir nicht vorsichtig sind, und uns begraben.“
So zogen sie still ihren Weg dahin und fanden abends, vom Schneewaten müde, unter einer Baumwurzel eine Stätte, wo sie sich zum Schlummer niederlegen konnten.